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Lucas Niggli - drums/percussion

Pressestimmen

Niggli-Zumthor Drum Duo - Präzision trifft Kühnheit – ein Paarlauf an zwei Schlagzeugen18.12.2009 / Die Südostschweiz
Niggli-Zumthor Drum Duo
Präzision trifft Kühnheit – ein Paarlauf an zwei Schlagzeugen

Das Schlagzeug-Duo Niggli/-Zumthor hat am Montag im Theater Chur alle Register gezogen und sein Publikum mit einem wahrem Trommelfeuer buchstäblich hingerissen.
Schon gemächlich ausgeführt, wäre etwa die Taktfolge 2/8, 15/16, 15/16, 3/8, 7/8, 3/8, 7/8 eine Herausforderung für jeden Schlagzeuger. Lucas Niggli und Peter Conradin Zumthor beherrschen das Kunststück der unablässig wechselnden Metren jedoch nicht nur ein jeder für sich, sondern auch noch im Höllentempo absolut synchron. Von gross angelegten improvisierten Passagen schwenken sie ein auf die stichpunktartig notierten Patterns, stürmen dann eine Weile im Trommel-Formationsflug dahin, bevor sie wieder ausschwärmen in die Verästelungen individueller Rhythmen.

Am Montag zeigten die Ausnahmeschlagzeuger Niggli und Zumthor in der «Café-Bar» des Theaters Chur einmal mehr, was Trommeln heisst. Mit ihrem schier unendlichen Klangrepertoire, ihrer Präzision und ihren kühnen rhythmischen Schwenks trieben sie den Puls der Zuhörer bis zur Pause unerbittlich in die Höhe. «Da ist ja kein einziger gerader Takt zu hören», stöhnte ein junger Mann – offenbar vom Fach – halb bewundernd, halb verzweifelnd bei einer Pausenzigarette vor der Theatertür. Sein Kollege schüttelte nur den Kopf und grinste.
Tempel und Maschinenpark

Auf gerade Takte und starre Metren hatten es Niggli und Zumthor im ersten Teil ihres Konzerts natürlich gar nicht abgesehen. Obwohl das Duo auch vor solchen nicht zurückschreckt, wie die Aufführung zweier Kompositionen von Felix Profos im letzten Programmteil zeigen sollte.
Zunächst ging es den Musikern um die Entfesselung der Percussion-Kräfte, um das rauschhafte Miteinander in dahinwirbelnder Bewegung, um dreidimensionale Klangräume, die sie mit unterschiedlichsten Mitteln erzeugten. So gestaltete das Duo mit Hilfe von Becken, Metalltellern und -platten sowie Gongs akustische Panoramen, die an geheimnisvolle asiatische Tempel ebenso erinnerten wie an industrielle Maschinenparks mit ihren rostigen Sphärenklängen. Das Ping-Pong-Spiel rhythmischer Motive, die zwischen Niggli und Zumthor hin- und herflogen, steigerte sich immer wieder in grandios absolvierte Paarläufe voller energischer Ausbrüche, um schliesslich auf dem Höhepunkt in atemberaubende Ostinato-Figuren zu münden – Trommeln als Ritual und gleichzeitig dessen Überwindung.
Die Spannung von Sich-Finden und Entzweien spiegelte sich auf drollige Weise in Gesicht und Haltung beider Musiker wider. Niggli schien, lustvoll wippend, auf den Rhythmen dahinzureiten. Ab und zu warf er seinem Kompagnon verschmitzte Blicke zu – etwa, wenn er eine besonders vertrackte Figur ins Rennen schickte. Zumthor wiederum verjüngte sich zusehends während er musizierte. Manchmal sah er aus wie ein grosser Junge, der eben erst entdeckt hat, dass er seinem Meister schon längst in nichts mehr nachsteht.

«Erster Tanz» als wahrer Kraftakt

Das Kontrastprogramm kam nach der Pause. Der Schweizer Komponist Felix Profos (*1969) hatte Niggli/Zumthor zwei Tänze in die Trommelstöcke geschrieben. Wobei die Stöcke im erstgespielten «Zweiten Tanz» auf filzgedämpfte Becken trafen oder solche, die mit getrockneten Hülsenfruchtketten behängt waren und die Klänge fahl verzittern liessen. Profos' «Erster Tanz» hingegen, beeindruckend laut und durchzuckt von kaltem Feuer, spielte mit bewusst stolpernden Metren – etwas für die Freunde einer gepflegten Herzrhythmusstörung. Und überdies ein wahrer Kraftakt für die beiden Instrumentalisten. Denn obwohl das Publikum nach einer Wiederholung verlangte, winkten Niggli und Zumthor ab. Für einmal musste der «Erste Tanz» auch der letzte bleiben.

Carsten Michels

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