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Lucas Niggli - drums/percussion

Pressestimmen

STEAMBOAT SWITZERLAND - Götzendämmerung26.11.2010 / Bad Alchemy ( D)
STEAMBOAT SWITZERLAND
Götzendämmerung

Für diese konzertierte Aktion hatten die Richtigen die Finger im Spiel: Felix Klopotek mit dem Kölner Label, Reinhard Kager als NowJazz- & JetztMusik-Mann vom SWR2, und natürlich der Full-Blast-Bassist Marino Pliakas, der Hammondorgler und Elektroniker Dominik Blum und der Drummer Lucas Niggli. Das Schweizer Trio hat ‚Get Out Of My Room‘, eine Kompostion ihres Landsmannes F. Profos (*1969), bei den Donaueschinger Musiktagen 2006 uraufgeführt und 2008 eingespielt, jeweils verzahnt mit ‚Heat‘, nicht umsonst so getauften Stoff eigener Machart. Profos, wenn man seinen Kompositionen ‚Come to Daddy‘, ‚Dunkles Hotel‘ oder ‚Lingua Mortuorum‘ lauscht oder ‚Slow Burns‘, das er 2003 für das Maarten Altena Ensemble geschrieben hat, eher Melancholiker und stiller Brüter als Kraftmensch, hat hier mit den Fäusten komponiert. Ostinate, unregelmäßige Hiebe oder Rammstöße, zunehmend knurrig und verzerrt, bestimmen den ersten seiner vier Sätze, der sich ganz einem Durchbruchswillen hingibt. Der zweite Satz lässt jeden Schlag bassknurrig dröhnend nachorgeln, akzentuiert von zischenden Cymbalblitzen. Diese Götzendämmerung - man denkt nämlich unwillkürlich an Die Donnergötter von Rhys Chatham - versucht ‚First Heat‘, das fliegend durchstartet, mit purer Raserei dem Endziel näher zu bringen. Zischendes Gepolter, bassdrumdurchdonnert, jaulendes Georgel und Bassriffing, dass die Finger glühen, versetzen das Steamboat in ein brodelndes Stahlgewitter, mitten in eine stalinbeorgelte Kesselschlacht. Mittendrin bleiben nur zitternd georgelte Triller, ein flatternder Schweben über dem Abgrund. Dem folgt Profos‘ dritte Attacke, mit Schlägen, die jetzt an sich zu zweifeln scheinen. Das Knurren setzt immer wieder an, aber die Beats markieren jetzt nur den Takt einer Auszeit. ‚Second Heat‘ erweitert  den Zeitrahmen durch kakophones Ausdifferenzieren, dem Bassdrumgeboller kurz einen groovigen Schub gibt. Doch noch wird klangverliebtes Klim und Bim bevorzugt, wieder mit zitternden Orgelsplittern. Aber dann kommt es doch ins Rollen, ein unbedingtes Ja zur höheren Gewalt (nach der Profos sein Ensemble Forcemajeur benannt hat, in dem auch Niggli wieder auftaucht). Nietzsches Schweizer Vermächtnis? Die letzten drei Minuten sind ein einziger Kladderadatsch im Wechsel von Profos-Beats und Steamboat-Dithyrambik. Licht wird alles was ich fasse, Kohle alles, was ich lasse...

Rigobert Dittmann

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