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Lucas Niggli - drums/percussion

Pressestimmen

HEXENTRIO: Plimley-Guy-Niggli - Furioses Spiel mit übernatürlichen Fähigkeiten28.01.2012 / Südkurier / Konstanz
HEXENTRIO: Plimley-Guy-Niggli
Furioses Spiel mit übernatürlichen Fähigkeiten

Sie nennen sich „Hexentrio“ und entsprechend agieren sie : Wild, spontan und mit gleichsam übernatürlichen Fähigkeiten.

Kein langes Einspielen, kein vorsichtiges Herantasten. Paul Plimley (Piano), Barry Guy (Bass) und Lucas Niggli (Drums) legen direkt los. Plimleys Finger tänzeln fiebrig über die Tastatur, was Barry Guy sofort aufgreift, und auch Lucas Niggli steigt mit ein in den Schlagabtausch. Drei Jazzer in hitziger musikalischer Diskussion. Worüber sie sich so virtuos ereifern – zunächst weiß man es nicht. Ein Thema haben sie ihren Zuhörern nicht unterbreitet – die sitzen zunächst da im Konstanzer K9, ahnungslos und einfach nur staunend über die knisternde Energie, die live vor ihren Ohren in Musik umgesetzt wird. Aber allmählich gewinnt diese Performance an Struktur, begreift man Rede und Gegenrede, verfolgt, wie die Diskussion in ruhigere Bahnen kommt, um wieder an Fahrt zu gewinnen. Und schließlich schält sich doch noch eine choralartige Melodie aus dem flirrenden Klaviersatz heraus, über die das Trio zu einem ruhigen, poetisch weichen Ende findet.

Goethe war es, der den in der klassischen Musik gerne zitierten Satz prägte, man höre im Streichquartett „vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten.“ Kaum anders ist es hier bei der Eröffnung des „Pianofrühlings“, zu dem der Konstanzer Jazzclub vier Termine gefasst hat, bloß dass statt vier Leute drei zugegen sind, die sich „Hexentrio“ nennen und entsprechend agieren: Wild, spontan und mit gleichsam übernatürlichen Fähigkeiten.

So besonnen und etikettengerecht, wie man vermutlich zu Goethes Zeit miteineinander umgegangen ist, geht es hier allerdings nicht zu. Die Musiker spielen „auf volles Risiko“, wie Lucas Niggli sagt. Und das bedeutet: ohne genaue Absprachen. Die Musik entsteht beim Spielen. Fantastisch, wie sich die Musiker mit schlafwandlerischer Sicherheit durch ihre gerade entstehenden Stücke bewegen wie durch eine ausgearbeitete Choreografie. Und doch ist es eine Musik ohne Netz und doppelten Boden.

Die kann manchmal nervös klingen, sie kann von trashigen Klängen durchzogen sein, wenn Barry Guy Stäbe zwischen die Saiten seines Basses steckt, Lucas Niggli seine Trommeln mit eisernen Ketten traktiert und Paul Plimley das Innere des Flügels mit Schlegeln. Doch dann kann es passieren, dass Plimley eine herb-süße Akkordfolge auf die Tastatur haucht und Barry Guy sie mit leisen Tremoli genießerisch untermalt.

Die drei Musiker begegnen sich auf Augenhöhe, aber der heimliche Kopf des Trios ist der Pianist Paul Plimley, ein Kanadier, der nun, auf Einladung des Konstanzer Jazzclubs, erstmals in Konstanz zu erleben war und dessen Mimik ebenso variantenreich ist wie seine Spieltechnik. In Verbund mit den beiden anderen Musikern revidierte er auch das Vorurteil, avantgardistische Musik schwebe in solch hohen Sphären, da reiche kein bodenständiger Humor mehr hin. Weit gefehlt. Das zeigte sich unmittelbar nach der Pause, als sich das Hexentrio als indirekte Nachfahren der Hexen aus Shakespeares „Macbeth“ zu erkennen gab. Mit einer bunten Federboa um den Hals steckten die drei ihre Köpfe zusammen und keiften und kauderwelschten, als hätten Shakespeares Hexen soeben die Ursonate erfunden – eine urkomische Nonsense-Nummer, die doch voller musikalischer Grammatik steckte. Das Publikum war begeistert und erklatschte sich schließlich noch eine Zugabe. Und dann blieb frei nach Shakespeare nur noch eine Frage offen: „When shall we meet you three again?“

Judith Grosch

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