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Lucas Niggli - drums/percussion

Pressestimmen

Andreas Schaerer - Lucas Niggli - Duo - Turbo-Schweizer03.02.2014 / WAZ ( D)
Andreas Schaerer - Lucas Niggli - Duo
Turbo-Schweizer

Es ist paradox: Laute formen sich zu Worten, aber Worte können nicht annähernd beschreiben, welche Laute die menschliche Stimme hervorbringen kann. Man muss hören, wie ein Vokalartist vom Schlage eines Andreas Schaerer akustische Wellen tanzen lässt. Wie er schnalzende, trommelnde, knarzende, schlagende Laute mit der Kraft eines dröhnenden Lamborghinis beschleunigt, rhythmisiert und gleichzeitig dazu in den Zungen aller Herren Länder singt. Dabei ist der Schweizer eine Naturgewalt, musikalisch bis ins letzte Neuron, er spielt nicht mit den Möglichkeiten seiner Stimme, er lebt die Rhythmen, die oszillierenden Töne, er performed sie. Wenn Musik nichts anderes ist als die Addition von Schallwellen innerhalb messbarer Zeitspannen und es laut Quantenphysik etwas gibt, das sowohl Welle als auch Materie sein kann, dann ist Andreas Schaerer auf der Bühne dafür der lebende Beweis. Davon konnten sich am Freitag die Besucher der „Jazz in Dinslaken“-Reihe im Ledigenheim in einem begeisternden Doppelkonzert überzeugen.
Andreas Schaerer mag zwar Sänger, Percussionset, Tonstudio, Dampfmaschine, Turbogenerator und Sampler der Stimmen dieser Welt sein, aber er steht nicht allein auf der Bühne. Mit ihm zusammen agiert Lucas Niggli. Ein Schlagzeuger, der mit bloßen Händen über seine Trommeln krabbelt, die Toms mit den Besen kitzelt, bis sie kichern, die Becken mit dem Cellobogen zum Singen bringt und auch mal mit der Kette auf die nur mit einem Fensterleder geschützte Snare schlägt. Schaerer und Niggli krachen akustisch aufeinander, es tobt, es donnert, die Motoren laufen heiß, das Publikum erlebt Dopplereffekte. Dann wieder glaubt man, im afrikanischen Busch zu stehen. Man hört Tiere, Trommeln. Der Gesang wird schamanisch. Indisch oder indianisch? Eine Posaune spielt Jazz und Beats dröhnen wie aus einer Kellerdisko auf die nächtliche Großstadtstraße. All dies in Fetzen, nur angerissen. Schaerer, dieser Turboschweizer, jagt durch sein unerschöpfliches Repertoire und manchmal klingt er tatsächlich so, als höre man eine DVD im Schnelldurchlauf. Irgendwo im Publikum klirrt ein Glas. Niggli, der gerade ein Büschel Stroh rascheln lässt, würde gerne mit dem Gast improvisieren. Der geht leider nicht auf das Angebot ein. Aber Schaerer hat die Idee im erst dritten Konzert dieser ersten Tour des Duos aufgegriffen. Wenn die beiden Musiker die Bühne verlassen, hallt der Saal vom Klingen der Weingläser des Publikums wieder.

Bettina Schack

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