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Lucas Niggli - drums/percussion

reviews

Lucas Niggli ZOOM meets ARTE Quartet /CRASH CRUISE - Ein Damaskus-Erlebnis der Extraklasse 25.04.2008 / Basellandschaftliche Zeitung
Lucas Niggli ZOOM meets ARTE Quartet /CRASH CRUISE
Ein Damaskus-Erlebnis der Extraklasse

Fruchtbare Liaison von Avantgarde und Jazz
( zum Auftritt am Jazzfgestival)
Das gemeinsame Konzert von Lucas Nigglis Zoom und dem Arte Quartett in der Gare du Nord bewies einmal mehr, wie lebendig und innovativ die Schweizer Jazzszene ist.

Drei Abende des Jazzfestivals Basel 2008 fanden im Bahnhof für Neue Musik, der Gare du Nord, statt und segelten unter der stilistischen Bezeichnung «Avantgarde», wobei streng genommen erst das letzte dieser drei Konzerte diese Kategorisierung wirklich verdiente: Lucas Nigglis Zoom meets Arte Quartett. «Crash Cruise» lautete das Motto dieses Konzertabends und in der Tat stiessen da mit Wucht zwei musikalische Welten aufeinander und amalgamierten zu etwas faszinierend Neuem: die Neue Musik repräsentiert durch das Arte Quartett mit den vier Saxophonisten Beat Hofstetter, Sascha Armbruster, Andrea Formenti und Beat Kappeler und der Jazz vertreten durch Drummer Lucas Nigglis Trio Zoom mit dem Posaunisten Nils Wogram und dem Gitarristen Philipp Schaufelberger.

Verblüffend dabei, wie das klassisch ausgebildete Arte Quartett, das sich eigentlich auf das Spielen von Neuer Musik spezialisiert hat, trotz «schönem» klassischem Ton ohne Jazzphrasierung immer wieder Momente von unglaublicher Intensität schuf und oft einen Drive hinkriegte, der selbst gestandenen Jazzmusikern nicht besser gelingen dürfte. Mit phänomenaler Präzision wurden da die wildesten polyrhythmischen Irrwitzigkeiten aus Lucas Nigglis Feder wiedergegeben, und wenn die Vier gelegentlich in ihr Spezialgebiet, ins Fach der Neuen Musik wechselten, gab’s kein Halten mehr.

Zwar spielte mal das Arte Quartett alleine, mal das Trio Zoom für sich; doch meist taten sie es zusammen, wobei oft nicht klar war, wo komponierte Teile in freie Improvisationen übergingen und umgekehrt; das spielte aber letztlich keine Rolle. Für den improvisatorischen Teil des Projekts Zoom meets Arte Quartett war einerseits der deutsche Posaunist Nils Wogram zuständig, der sowohl durch seine technische Brillanz als auch durch seine farbenreiche Obertonvoicings zu überzeugen vermochte; andererseits Philipp Schaufelberger mit seinem sehr persönlichen Gitarrestil, bei dem er › sich meist in hohen Lagen bewegend › eine ausdrucksstarke Musiksprache entwickelte.

Das pulsierende Herz des Projektes war der Drummer Lucas Niggli, der die musikalischen Abläufe leitete und seine Mitmusiker in den ruhigen Abschnitten einfühlsam-zart mit den Händen begleitete, mit unglaublicher Wucht aber tat er dies bei den Fortissimostellen. All jene, die behaupten, im Jazz gebe es nichts Neues mehr und man bekomme immer nur die gleiche aufgewärmte Sauce zu hören, sollten ein Konzert von Lucas Nigglis Zoom meets Arte Quartett besuchen und sie werden ein Damaskus-Erlebnis der Extraklasse haben.

Rolf De marchi

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